|
Das Bundesland Berlin steht einsam da in der
Bundesrepublik: Religionsunterricht
ist hier kein ordentliches
Unterrichtsfach.
Es besteht weitgehend Übereinstimmung, dass der
Bildungsauftrag des Religionsunterrichtes
unverzichtbar ist. Leider kann in Berlin jede
Schülerin und jeder Schüler - oder bis zu 14 Jahren deren Eltern - mit
einem Federstrich darauf verzichten. Für alle Fächer gibt es
Rahmenpläne. Gerade in der
Werte-orientierung soll Beliebigkeit
herrschen?
Verständlich, dass die Diskussion
darüber nicht abreißen will und darf. Unsere Schule aber hat
gehandelt:
Von Anfang an, seit 1994 - eigentlich noch ein
Jahr früher auf eigene "Kosten" - läuft bei uns der Schulversuch
"Ethik/Philosophie".
Alle Schüler/innen, die nicht zum
Religionsunterricht angemeldet sind, nehmen daran teil - nicht aus
Zwang, sondern mit uneingeschränkter Zustimmung .
Gerade in Zeiten, in denen überall
reduziert wird, ist dies ein zusätzliches Angebot. Auch unsere
Schüler/innen freuen sich über Unterrichtsausfall, solange sie nicht
weiter nachdenken. Sie nehmen aber gerne wahr, dass sich jemand um ihre
ganz persönliche Dinge kümmert und Anteil daran nimmt.
In kleineren Lerngruppen als
Klassenstärke können Probleme behandelt werden, die so recht in kein
anderes Unterrichtsfach passen.
|
- Wer war Jesus, Buddha,
Mohammed?
- Welche Bedeutung haben die
Feiertage im Jahresverlauf?
- Feiern alle Menschen
Weihnachten?
- Wer bin ich?
- Muss ich mich an regeln
halten?
- Wovor habe ich Angst? Wie
gehe ich damit um?
- Was ist Glück? Was ist
Freiheit?
- Was ist nach dem Tod?
- Muss man immer die Wahrheit
sagen?
- Was ist eine gerechte Welt?
- Wie zuverlässig ist die
Wissenschaft?
- Wie entstehen Vorurteile? |
|
Es ist möglich, auch schon in
diesem Alter, "Philosophie"
zu |
|
betreiben gemäß den Denkschritten von
Immanuel Kant: "Was |
|
muss
ich wissen - was soll ich tun - was kann ich hoffen - |
|
was ist der
Mensch?" |
|
Rund 18 % Moslems haben Gelegenheit,
ihren Mitschülern ihre unterschiedlichen Lebensweisen nahe zu bringen -
und etwas über Gepflogenheiten in Mitteleuropa zu erfahren.
Unsere Fachlehrer/innen sind für den
Schulversuch
in einem Studium von vier Semestern darauf vorbereitet worden. Unsere
Schule wurde als eine von dreien in Berlin durch die Freie Universität
wissenschaftlich begleitet.
Wir bedauern, dass es unseren politisch
Verantwortlichen auch im §12 (6) des Schulgesetzes vom 30.3.2006 nicht
gelungen ist, in Dingen der Werteerziehung
den Anschluss ans Bundesgebiet zu finden. So läuft dieser Schulversuch
nur noch in den 8. bis 10. Klassen, und damit in 3 Jahren aus.
Im 7. Jahrgang nehmen alle
Schülerinnen und Schüler nun pflichtgemäß am Ethikunterricht teil, für
den sie im allgemeinen Zeugnis eine Zensur erhalten, die für die
Versetzung und damit auch als Ausgleichsnote zählt.
An o.g. Stelle
lautet nun das Schulgesetz: … „Im Ethikunterricht sollen von den Schulen
einzelne Themenbereiche in Kooperation mit Trägern des Religions…unterrichts
gestaltet werden. Die Entscheidung, in welcher Form Kooperationen
durchgeführt werden, obliegt der einzelnen Schule.“
So werden nun in der
7. Klasse die Mädchen und Jungen einzelne Themenbereiche zusammen mit
den evangelischen und katholischen Lehrkräften in enger zeitlicher und
räumlicher Zusammenarbeit erfahren.
(Die
Teilnehmer/innen am Religionsunterricht erhalten zusätzlich ein
Zeugnis des jeweiligen kirchlichen Trägers.)
Unsere Leiterin der Fachkonferenz "Werte"
ist in diesem Schuljahr Frau Liebegott. Zurzeit nehmen 50 % der
Schülerinnen und Schüler der 8. – 10. Klassen …. (15 % am katholischen
und 35 % am evangelischen Religionsunterricht) teil.
|